27 Grad und Sonnenschein klingen bei der Tour de Energie nach einem schlechten Scherz, zumindest für die, die sich in den letzten Jahren bei Temperaturen unter 10 Grad und Regen bis hin zu Hagel über den Kurs gequält haben.

Ebenso erscheinen Podiumsträume bei einem GCC-Bergrennen eher nach Wahnwitz denn nach einer realistischen Selbsteinschätzung. Aber am Sonntag den 22.04.2018 war alles möglich!

tde davor

Aber der Reihe nach:

Die TdE ist eines der am besten organisierten und vor allem eins der schönsten Rennen im GCC Kalender! Wie immer ging es vom Start weg trotz Neutralisation sehr zügig los. Nix mit warm fahren! Dom und ich orientierten uns im Feld gleich etwas nach vorne, um nirgends ins Hintertreffen zu geraten. Über die ersten Wellen und kleineren Anstiege ist das Rennen immer sehr nervös, es ist schließlich GCC Eröffnungsrennen. Es hielt sich dieses Jahr jedoch in Grenzen, einen Sturz habe ich nicht miterlebt.

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So richtig los geht das Rennen an der Steigung in Hemeln nach etwas mehr als 50km (5,5km, 260hm). Bis zur ersten Kurve sollte man hier eine gute Position im Feld erreicht haben, denn ab jetzt ist das Taktieren vorbei und es wird Druck gemacht; die Steigung nimmt zu und das Tempo wird angezogen! Auf den folgenden Km wurde von mir über 7min eine Durchschnittsleistung von 342 Watt gefordert, was ich überraschenderweise noch ganz gut aufs Pedal gekriegt habe.

In der ersten Gruppe über die Kuppe spürte ich schon die erste vorsichtige Euphorie: das könnte heute echt was werden!

Von nun an ist das Rennen deutlich ruhiger, da das Feld stak dezimiert ist, die Spitzengruppe hatte noch etwa 30 Mann. Das Tempo beruhigte sich, es gab eine 2 Mann Fluchtgruppe, die zeitweise sogar außer Sichtweite gelassen wurde. In der Anfahrt zum Hohen Hagen nahm das im GCC alles dominierende Team Strassacker wieder das Heft in die Hand und erhöhte das Tempo. Auch, weil von hinten die zweite Gruppe wieder auffuhr, in der Dominik und Per am Fuß des Hohen Hagens wieder zur Spitzengruppe aufgeschlossen hatten. Die 2 Ausreißer wurden ebenfalls gestellt.

Nun folgt die regelmäßig entscheidende Phase der TdE. Die Steigung zum Hohen Hagen beginnt moderat, doch auf den finalen 2,2 Kilometer wird bei 7% Steigung hammerhart gefahren. Hier brauchte ich eine Durchschnittsleistung von 361 Watt über mehr als 6 Minuten (Das bedeutet für mich eine relative Leistung von 5,15 Watt/Kg). Ich musste alles geben und mit einem letzten Kraftakt im Wiegetritt schaffte ich es am Ende der ersten Gruppe über die Kuppe. Keine Zeit durchzuschnaufen, die Gruppe war jetzt nur noch 20 Mann groß, Strassacker hatte ihren Kapitän dabei, das Tempo wurde unmittelbar weiter forciert. Noch einmal in den roten Bereich gehen, um in der Gruppe wieder etwas nach vorne zukommen, geschafft!

Im selben Moment kämpfte Dominik an seinem Limit gegen brennende Beine und ein Wahnsinstempo in der Spitzengruppe. Es nützte nichts! Die Gruppe entfernte sich erneut und dieses Mal sollten die Verfolger die Spitzengruppe nicht mehr stellen können.

Es folgten nur noch 25 abfallende Kilometer zum Ziel. Nachdem ich mich etwas erholt hatte beteiligte ich mich sogar an der Führungsarbeit, denn auch der letzte Platz in dieser Gruppe wäre für mich ein Riesenerfolg gewesen. Dann fingen meine Beine an zu krampfen. Die hohen Temperaturen, die hohe Belastung und nur 2 Trinkflaschen, das passte bei mir nicht. Jetzt war höchste Konzentration gefordert: vorne halten, Beine lockern und bloß nicht in den Wiegetritt gehen. Die letzten Attacken konnte ich alle parieren, die Gruppe blieb zusammen. Als der Sprint knapp 500m vor dem Ziel eröffnet wurde war ich nochmal im Stande über einen kurzen Zeitraum im sitzen 600-700 Watt zu bringen und mich an Position 4 zu halten und von einem Podiumsplatz zu träumen. Doch nach einem Rempler eines Konkurrenten machten meine Beine dicht, das war`s! Die letzten 100m rollte ich ins Ziel und es sprinteten noch einige Fahrer an mir vorbei.

Als Radsportler guckt man immer nach vorne, will alles geben, immer noch mehr! Doch der Frust über ein verpasstes besseres Ergebnis verflog schnell: Platz 10 bei der TdE, Hammer! Mit Abstand mein bisher bestes Ergebnis im GCC und das bei solch einem Rennen!

Dominik landete bei seinem TdE Debüt auf Rang 26 und Per rettete trotz eines Sturzes in der Abfahrt und dem damit einhergehenden Hautverlustes Rang 62 ins Ziel!

tde danach

Erneut eine top Teamleistung!

Rennbericht von Torben Bleiker